12. Juli 2010

Ausflug nach Mull und Iona. Fahrt auf die Isle of Skye. Uig und das Fairy Glen.

Die letzten zwei Tage sind wir ziemlich viel gefahren. Haben auch sehr viel gesehen. Verglichen mit einen USA-Urlaub jedoch hält sich das alles in Grenzen. Und bisher hatten wir nirgends eine längere Strecke ohne spektakuläre Landschaft. Wir erleben ein Bilderbuchschottland. Dazu gehört natürlich auch, dass das Wetter sehr wechselhaft ist. Gestern früh in Oban regnete es waagerecht, so dass ich auf den kurzen Fußweg zum Auto klatschnass wurde. Der Wetterbericht würdigte die Lage mit der Formulierung “In the first half of the day heavy rain and gale-force wind.” So ließen wir uns Zeit in Oban. Ich bekam noch meine Austern und wir besuchten die Oban Chocolate Company ein zweites Mal. Das Schokoladenfondue war super.

Glenfinnan mit der 100 Jahre alten Eisenbahnbrücke im Vordergrund. Erst durch die Harry Potter Filme berühmt geworden, verkehren darüber sowohl Touristen- als auch Linienzüge.

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Danach entschieden wir uns für die südliche Route nach Skye, d.h. in Fort William nach Westen in Richtung Mallaig abbiegen; von dort dann mit der Fähre übersetzen. Der Vorteil dieser Strecke: Unterwegs kommt man in Glenfinnan an der “Harry Potter Brücke” vorbei. Der einzige Nachteil: Wieder 32 Pfund für die Fähre.  Zwar ist Urlaub. Aber bereits tags zuvor hatten wir 120 Pfund für den Ausflug nach Mull und Iona hingeblättert.

Allerdings war es ein tolles Erlebnis. Auch die Autofahrt auf Mull. Von Craignure nach Fionphort geht es knapp 60 km eine single track road entlang: echt abenteuerlich. Aber immerhin sind etwa alle 100 m Ausweichbuchten eingerichtet, gekennzeichnet mit einem scharz-weißen Mast.

Auf Iona – eine kurze Fährfahrt weiter – fanden wir zwei Stunden wunderbarer Ruhe und Erholung an einem weißen Strand in einer kleinen Bucht gleich neben der Anlegestelle. Leider wurden wir dann vom Regen vertrieben und nahmen schon eine frühere Fähre nach Mull zurück. Mit den Straßenverhältnissen besser vertraut und mit einem komfortablen Zeitpolster gestaltete sich die Rückfahrt wesentlich entspannter. Schließlich waren wir eines von drei Autos, die um neun die letzte Fähre nach Oban beanspruchten. An Bord konnten wir noch die letzten Minuten des WM-Spiels um den dritten Platz verfolgen.

Eine Fähre der Caledonian MacBrayne Reederei.

Inzwischen sind wir also in Uig und die Jugendherberge hier ist sicher die mit der spektakulärsten Lage. Der Blick über die Bucht ist einfach atemberaubend. Man könnte dasitzen und stundenlang hinunter und hinüberblicken. Dazu der Empfang bei blauem Himmel und Sonnenschein. Erst nach zehn Uhr abends verschwand der Feuerball hinter den Bergen auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht.

Uig spielt eine wichtige Rolle als Fährhafen für die Äußeren Hebriden. So konnten wir heute beim Frühstück ein heimkehrendes Schiff beim Anlegen beobachten.

Die JH macht einen gepflegteren Eindruck als die von Oban. Nur die Gruppe französischer Teenies macht Katja zu schaffen und lässt sie schlecht schlafen. Theo hingegen ist von den seltsamen Verhaltensweisen der Heranwachsenden hingerissen.

Der heutige Vormittag war nun wieder ganz schön verregnet. So haben wir uns ins Auto gesetzt und den Nordzipfel von Skye – die Trotternish Halbinsel – umfahren. Unser Ziel war der Fossilienstrand von Staffin Bay. Leider haben wir außer einem toten Schaf nichts gefunden, obwohl wir jede Menge Steine aufgebrochen haben.

Dann ging es weiter nach Portree in der Hoffnung, ein nettes Städtchen mit Einkaufsmöglichkeit und ein paar Touriläden vorzufinden. Zwar kann man Lebensmittel kaufen. Doch eine nette kleine Einkaufsstraße wie etwa in Oban oder Fort William war leider Fehlanzeige.

 

Die Eintrittskarten zum Museum of Island Life

Ein wirkliches Kleinod ist das Museum of Island Life nördlich von Uig; ein liebevoll gestaltetes Freilichtmuseum, das das Leben auf der Insel vor ca. 150-100 Jahren dokumentiert: Nachbauten eines Dorfes, Schmiede, Weberei, Scheune, dazu jede Menge originaler Werkzeuge und Gegenstände des täglichen Bedarfs sowie Möbel etc.  Vielleicht fahren wir nochmal hin. Im Museumsshop gab es nämlich ein Schaffell zu kaufen. Wäre das nicht ein tolles Souvenir fürs neue Baby?

Nun am späten Nachmittag scheint das Wetter wieder aufzuklaren. Mal sehen, wen wir überreden können, einen Spaziergang ins Fairy Glen zu unternehmen.

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Fabelwesen sind uns noch keine begegnet. Aber das Fairy Glen scheint wirklich wie verzaubert. Man biegt um eine Kurve auf der kleinen Straße und einem liegt ein Stück Natur zu Füßen, wie man es nur aus Romanen kennt. Tolkien könnte sicher zwanzig Seiten mit der Beschreibung dieser landschaftlichen Besonderheiten füllen. Das übersteigt, was ich mit Worten zu leisten im Stande bin. Aber Katja macht immerhin fleißig Fotos.

Zunächst einmal ist alles grün von saftigem Gras. Hier blüht es violett, dort gelb, ein paar Farne und Disteln und an einigen Stellen nackter Fels. Ab und zu ein kleines Wäldchen von Haselnussbäumen. Überall frei herumlaufende Schafe, die das Gras kurz und die Wiesen gedüngt halten.

Die steilen Hänge und kreisrunden, kegelförmigen Hügel sind mit eigenartigen organisch wirkenden “Terassen” überzogen. Jedesmal wenn man um eine Ecke biegt oder über einen Hügel ins nächste Tal blickt, faszinieren neue Formationen. Ebenso ist das Feental als Ganzes wie aus einer anderen Welt; vollkommen anders als alles was es rings herum in der Landschaft gibt. Wenn morgen schönes Wetter ist, kommen wir wieder her.

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