ebm Bericht

Eine Woche nach dem ebm ist schon viel passiert. Nun liege ich mit operiertem rechten Fuß auf dem Sofa und kann kurz was über das ebm-Erlebnis 2011 schreiben.

Die Vorbereitungen begannen sofort nach Weihnachten. Leider liefen sie nicht so optimal, wie ich mir das vorgenommen hatte, so dass ich mit zuviel Übergewicht an den Start ging. Es war vollkommen klar, dass es eine Tortur werden würde.

Nach zwei Wochen Ostseeurlaub blieb mir noch eine Woche aktiver Erholung daheim, bevor es endgültig ernst wurde. Ostseeurlaub hat natürlich Höhenmeterentzug bedeutet. Also ließ ich mich von Katja überreden, am Dienstag vor dem Rennen doch noch mal nach Seiffen zu fahren und die Runde zu testen. Dieser Ausflug hat meinem Selbstvertrauen einen ziemlichen Dämpfer verpasst.

Schließlich war ich 1995 das letzte Mal dabei. Damals noch auf einer lediglich 10 km langen Runde, die es aber auch mächtig in sich hatte. Ich erinnere mich an ein Teilstück, wo beinahe jeder absteigen musste, weil es so steil nach oben ging. Dort standen dann Helfer bereit, die einem die schlammverspritzte Brille abnahmen, dieselbe putzend mit den Berg erklommen und oben den sauberen Augenschutz wieder aushändigten. Das sind die Wurzeln des berühmten und viel besungenen Seiffener Edelhelferkodex.

Ich erinnere mich auch noch daran, dass es ab der vierten Runde nur noch RedBull zu trinken gab. Das Wasser ging komplett für die ständig notwendige Reinigung des Antriebs drauf. Ich erinnere mich außerdem an Abfahrten, die anstrengender waren als die Anstiege, natürlich mit starrer Gabel. Und schließlich erinnere ich mich an die totale Erschöpfung, mit der ich nach sieben Runden die Segel strich und das Rennen aufgab.

Also entschied ich mich für den neuen Versuch nach 16 Jahren über die Distanz von 70 km. Was ich damals durchhalten konnte, traute ich mir auch diesmal zu.

Die Organisation war hervorragend. Die Seiffener empfangen jeden Fahrer mit großer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. An den Verpflegungsstationen stehen jetzt Kärcher bereit, um die Schaltwerke und Ketten vom Schmodder zu befreien, Verpflegung und Betreuung waren rundum tadellos.

Zum Rennverlauf: Von Anfang an war mir klar, dass es kein Rennen gegen andere Fahrer werden würde, sondern nur eins gegen mich selbst. Meine Strategie war, die erste Runde so zu fahren, dass ich das Zeitlimit einhalten konnte, dabei aber nicht zu schnell anzugehen. Die zweite Runde wollte ich dann genießen. Dieser Plan ging einigermaßen auf. Am Anfang der zweiten Runde musste ich allerdings ein ziemliches Tief überwinden. Hungrig und entkräftet quälte ich mich die ersten Anstiege hinauf und – fast noch schlimmer – die Abfahrten hinunter. Mit der Kraft ließ auch die Konzentration nach. Damit landet man schnell im Gebüsch.

Einen Sturz aus der ersten Runde hatte ich schon hinter mir. Mein Knie tat mir mit jedem Kurbeltritt kund, dass es keine Lust mehr hatte, weiterzumachen. So ließ ich es vor allem abwärts gemach angehen, wie man auch auf einem der Fotos erkennen kann.

Das Krafttief überwand ich durch stoisches Trinken und Essen und Weiterfahren. An der letzten Verpflegung holte ich auch Andrej, meinem Kumpel mit der Startnummer 367 wieder ein. Ich wusste, nun würde ich ankommen, der zweite Teil der Runde war technisch sehr viel einfacher zu bewältigen. Nachdem der lange Anstieg geschafft war, vereinbarten Andrej und ich, dass wir gemeinsam über die Ziellinie fahren würden.

Auf einer letzten kurzen Schlammpassage hat sich mein Antrieb dann eine extra Fangopackung geholt. Immer wieder chain suck nach höchstens drei Umdrehungen. Nachdem ich meine letzten Trinkwasserreserven zum Kettenreinigen geopfert hatte, ging es weiter und glücklicherweise ohne Defekt bis zum Alp de Wettin. Dort wurde ich nochmal herzlich empfangen und von ein paar übriggebliebenen Zuschauern den Berg hochgeklatscht. Oben dann noch ein Urschrei und der Rest war dann lockeres Ausrollen ins Ziel.

Dort wurden wir als “die letzten mit roter Nummer” herzlich begrüßt.

Wie 1996 war es ein tolles Erlebnis an den Grenzen meiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Diesmal musste ich aber nicht darüber hinaus gehen. So ging es mir am Tag danach schon wieder recht gut. Und zwei Tage später hatte ich schon wieder richtig Lust aufs Rad zu steigen.

Nochmal herzlichen Dank an die Organisatoren und alle Helfer. Danke auch an Andrej, den Trainingspartner in der Ferne. Und vor allem Danke an Katja und meine Kinder, die mich in der Vorbereitung und beim Rennen so toll unterstützt haben, ebenso wie meine Eltern und Schwester.

 

Tags: , , , ,

2 Responses to “ebm Bericht”

  1. Andrej Says:

    Amen! Die Schlacht gegen uns haben wir erfolgreich geschlagen – nächstes Jahr stecken die Ziele höher, mein Freund 🙂 Mein Arm hat sich wieder “entschwollen” – Dir wünsch ich Gute Besserung!

  2. Christoph Says:

    Das Kürzel “ebm” muss dann wohl “extrem breiiger matsch” bedeuten – jedenfalls drängt sich der Gedanke nach den Fotos und dem Bericht geradezu auf. Herzlichen Glückwunsch für das erfolgreiche Bestehen dieses Härtetests! Ich hoffe mal, dass deine Blessuren nicht eure weiteren Reiseplanungen beeinträchtigen.
    Grüße vom “aorangi project”

Leave a Reply