18. Juli 2010. Buxton

“letting ones hair down” at the Buxton fun fair. Waldwanderung. Warum die Engländer keine Weltkriege anzetteln.

Buxton view

Buxton hatten wir uns als beschauliches kleines Heilbad vorgestellt. Entsprechend schockiert waren wir gestern bei unserer Ankunft. Offenbar haben wir uns das Wochenende mit dem größten Rummel ausgesucht: Buxton Fringe Festival, Carnival-Umzug (jenseits jeglicher Fastenzeit) und der sonst wahrscheinlich recht stille beinahe romantisch anmutende Marktplatz ist bis zum letzten Quadratfuß vollgestellt mit den übelsten Fahrgeschäften, die sich kranke Hirne je ausgedacht haben. Die Kinder finden das natürlich toll. Ich war ziemlich genervt von der lauten BumBum Musik, von jedem Laden eine andere, mindestens zwei sich immer überlagernd. Außerdem benehmen sich viele Engländer bei soetwas echt widerwärtig, besaufen sich bis zur Besinnungslosigkeit, kippen sich das Bier über die Schuhe und pissen sich ein. Die Frauen donnern sich dermaßen geschmacklos auf, dass wirklich gar nichts verborgen bleibt; die Schuhe mit so hohen Absätzen, dass sie sich nach dem zweiten Bier reihenweise Bänderrisse holen oder Knöchel brechen. Ich erzähle hier nur, was ich gestern gesehen habe, als ich zehn Minuten lang durch zerbrochene Bierflaschen, zerknüllte Dosen, verschüttetes Bier und Kotzelachen gewatet bin. Wahrscheinlich ist das auf einem deutschen Jahrmarkt ganz genau so. Oktoberfest zum Beispiel. Ich weiß ja gar nicht, ob die ganzen Säufer nicht vielleicht alles Deutsche waren.

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Am Abend nach dem Essen bestätigen Gráinne und Jochen, dass es sich beim oben geschilderten um einen typischen englischen Samstagabend handelte. Scheinbar machen die Engländer einmal in der Woche eine Transformation vom respektablen Dr. Jekyll zum grenzenlos enthemmten Mr Hyde durch. So geschieht es dann eben auch, dass der Frühstückskellner im Hotel einen aus seinem total zerschundenen Gesicht mit offenkundig gebrochener Nase und zwei blauen Augen anlächelt.

Naja, denke ich mir, vielleicht ist es besser, einmal in der Woche kollektiv die Sau raus zu lassen und dabei alle Aggressionen abzubauen, als – wie wir Deutschen – alle paar Jahrzehnte einen Weltkrieg anzuzetteln und ganze Ethnien zu ermorden. Heute ging es auf dem Rummel im Übrigen sehr gesittet zu. Sonntag scheint Familientag zu sein.

Bevor die Kinder aber ihre Geisterbahnfahrt (Emil) und den Pyramidenirrgarten (Theo) absolvieren konnten, hatte Jochen eine schöne Wanderung für uns ausgesucht. Unverdrossen marschierten wir im Regen los und in der Tat erlebten wir noch Sonnenschein. Allerdings nur von oben. Der Weg war z. T. arg schlammig. Dennoch hat sich die Anstrengung gelohnt, denn am Ende durchquerten wir eine tiefe enge Schlucht, wo sich früher die Anhänger einer religiösen Sekte zu ihren geheimen Ritualen trafen.

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One Response to “18. Juli 2010. Buxton”

  1. blog.kurpierz.de » Blog Archive » Fair Isle Says:

    […] be a good companion for travelling England. For example, it enriched our stay in Buxton last year (18. Juli und 19. Juli 2010) to no small […]

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