Cromarty

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Die erste Schulwoche für Emil und Theo ist beinahe vorüber. So langsam stellt sich Routine im Tagesablauf ein. Es ist eine Routine, wie sie besser nicht sein kann. Die Engländer beweisen, was den Start in den Tag angeht, eine Menge gesunden Menschenverstands. Damit spiele ich nicht auf das klassische Full English Breakfast an. Das besteht typischerweise aus Eiern (Spiegel- oder Rühr-) mit Speck, dazu Würstchen und Black Pudding (angebratene Blutwurst) sowie Baked Beans (Bohnen in Tomatensoße) und je nach Geschmack einer Tomate und/oder Pilzen, beides gebraten. Ach ja, eine Scheibe Toast darf nicht fehlen. Wer es deftig mag, kann dem durchaus etwas abgewinnen. Etwa zwei Stunden nach solch einer Mahlzeit kann man sich auch wieder bewegen. Der unbestrittene Vorteil dieses Frühstücks besteht immerhin darin, dass man bis zum Tea (etwa dem deutschen Abendbrot vergleichbar) über die Runden kommt. Der Name Full English Breakfast impliziert allerdings bereits, dass es auch abgespeckte Versionen davon gibt. Für die allerwenigsten Engländer ist es tägliches Ritual, eher eine Art Tradition, die in größeren Abständen gepflegt wird. Um das Frühstück soll es aber jetzt nicht gehen.

Was hier auf der Insel wirklich einen entspannten Start in den Tag gewährleistet, ist die Zeit, wann den Engländer die Pflicht ruft. Rund eine Stunde später als in Deutschland läutet es zur ersten Schulstunde. Keiner hat hier das Bedürfnis, unbedingt vor um zehn schon drei Viertel seines Tagwerks erledigt zu haben. Unsere Kinder müssen dreiviertel neun vor der Schule stehen. Dort tritt dann die Lehrerin vor die Tür und läutet die Glocke. Für uns heißt das, wir brauchen keinen Wecker und haben dennoch morgens viel Zeit, zum Beispiel um ausgiebig zu frühstücken (Continental: Müsli, Brot, Marmelade etc.), die Schultasche fertig zu machen und die Krawatten zu binden. Theo kann das übrigens schon selbst.

Halb vier am Nachmittag holen wir die Kinder wieder ab. Emil und Theo haben in dieser Zeit viel Spaß und wenig Stress bei der Arbeit am Projekt (derzeit The Big Bang), in der Library (Lesezeit), beim Lunch, in der Play Time oder in der French Lesson.

Katja und ich entscheiden je nach Wetterlage, wie wir den Tag mit Alexander verbringen: bei Wolken und Regen bieten sich Ausflüge in die größeren Ortschaften der Umgebung an: Lincoln, Grimsby, Scunthorpe. Zeigt sich das Wetter eindeutig schön, wandern wir über die Heide und finden dabei den einen oder anderen Geocache.

Nachmittags um vier sind wir dann alle wieder in der Wohnung versammelt. Die großen Jungs erledigen ihre Hausaufgaben. Um fünf gibt es gemeinsames Abendbrot und um sechs spielen Emil und Theo zusammen mit Papa Mario Kart auf der Wii Konsole, die zur Ferienwohnung dazu gehört.

Wir machen derzeit eine Erfahrung, zu der nur sehr selten Gelegenheit besteht. Erstens haben Katja und ich viel Zeit, ein Luxus, den wir wirklich zu schätzen wissen. Zweitens wird dieses Plus an Familienzeit potenziert durch die Entfernung von zuhause. Das angestammte Umfeld hinter sich zu lassen und einfach weg zu sein, wirkt ungemein befreiend. Alle in der Familie fühlen sich wohl hier und sehen entspannt dem nächsten Tag entgegen. Und der Migräniker hat zuletzt in Deutschland eine Tablette gebraucht. So kann es bleiben.

2 Responses to “Cromarty”

  1. Anh Says:

    Ich hab heute erst mitbekommen, dass Sie nach GB übergesiedelt sind. Zumindest bis Weihnachten.
    Ich bewundere und beneide Sie um Ihren Mut diese Reise (nun) angetreten zu haben.
    Schön, dass Sie uns an Ihren Erlebnissen teilhaben lassen!

    Ich wünsch Ihnen alles Gute!
    Anh

  2. blog.kurpierz.de » Blog Archive » Cromarty (English version) Says:

    […] für die deutsche Version dieses Artikels hier klicken […]

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